Katalog

Aus ErschließungsWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Als Katalog im bibliothekarischen Sinn bezeichnet man ursprünglich das Bestandsverzeichnis einer Bibliothek. Unterschieden wird nach der physischen Beschaffenheit (Zettelkatalog, Kartenkatalog, Kapselkatalog, CD-ROM-Katalog, Bandkatalog, Imagekatalog), nach den bereitgestellten Sucheinstiegen (Schlagwortkatalog, Kreuzkatalog, Standortkatalog) und der Zugänglichkeit (Publikumskatalog, Dienstkatalog). Durch die flächendeckende Einführung von Online-Katalogen (OPAC, Online Public Access Catalog) mit verschiedenen Sucheinstiegen verlieren diese Unterscheidungen jedoch größtenteils ihre Bedeutung. Über Metakataloge oder Verbundkataloge können die Kataloge mehrerer Bibliotheken recherchierbar gemacht werden.

Geschichte

Die Geschichte der Bestandsverzeichnisse reicht so weit zurück, wie die der Bibliotheken selbst. Festzustellen ist dabei einerseits eine Entwicklung vom reinen Inventar zum Rechercheinstrument, ohne die Funktion als Bestandsverzeichnis aufzugeben, andererseits einer zunehmenden Standardisierung und Regelmentierung der Katalogerstellung.

Den Übergang vom Bibliotheksinventar zum Katalog verortet Uwe Jochum (S. 84f.) in der frühen Neuzeit. Das Anwachsen der Bibliotheken durch die vergleichsweise kostengünstige Buchproduktion, die sich nun nicht mehr auf singuläre Exemplare beschränkte, im sich rasch verbreitenden Buchdruck mit beweglichen Lettern machte ein ein solches Rechercheinstrument erforderlich. So beschreibt Conrad Gesner (1516-1565) in seiner Bibliotheca Universalis im Abschnitt De indicibus librorum zwar noch Katalogformen, deren Potential kaum über dasjenige von Inventaren hinaus geht; die Bibliotheca Universalis selbst sollte jedoch durchaus als systematischer Katalog einsetzbar sein und fand - wie einzelne Exemplare belegen - auch entsprechende Verwendung. Für die Bestände der Bibliothek des Großmünsters in Zürich hatte Conrad Pellican (1478-1556) einen Verfasser-, Schlagwort- und einen systematischen Katalog erstellt.

Ab 1808 veröffentlichte der Münchner Bibliothekar Martin Schrettinger OSB (1772-1851) seinen Versuch eines vollständigen Lehrbuches der Bibliothek-Wissenschaft oder Anleitung zur vollkommenen Geschäftsführung eines Bibliothekärs in dem er zunächst sowohl für die Notwendigkeit eines alphabetischen als auch eines Realkataloges argumentierte und in der Folge Regeln für deren Erstellung und Handhabung ausformulierte. Mit dem Ende des 19. Jh. wurden zunehmend Regelwerke für die Katalogisierung entwickelt, die für einzelne Bibliotheken bzw. Bibliotheken ganzer Regionen für verbindlich erklärt wurden und Vorbildcharakter für sich beanspruchen konnten (vgl. MKO und PI).

Weblinks

  • Löffler, Karl. Einführung in die Katalogkunde. 2. Aufl. neu bearb. von Norbert Fischer. Stuttgart: Hiersemann, 1956 (Digitalisat, zugegriffen am 12.02.2015)

Literatur

  • Escher, Hermann: "Konrad Gessner über Aufstellung und Katalogisierung von Bibliotheken." In: Melanges offerts a M. Marcel Godet Directeur de la Bibliotheque Nationale Suisse a Berne a l'occasion de son soixantieme anniversaire. Neuchatel: Attinger, 1937. S. 119-132.
  • Germann, Martin. Die reformierte Stiftsbibliothek am Großmünster Zürich im 16. Jahrhundert und die Anfänge der neuzeitlichen Bibliographie: Rekonstruktion des Buchbestandes und seiner Herkunft, der Bücheraufstellung und des Bibliotheksraumes ; mit Edition des Inventars von 1532/1551 von Conrad Pellikan. Wiesbaden: Harrassowitz, 1994 (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen ; 34)
  • Jochum, Uwe. Kleine Bibliotheksgeschichte. 3. verbesserte und erweiterte Aufl. Stuttgart: Reclam, 2007.
  • Lauber-Reymann, Margrit. Informationsressourcen : ein Handbuch für Bibliothekare und Informationsspezialisten. Berlin [u.a.]: De Gruyter Saur, 2010 (Bibliotheks- und Informationspraxis ; 42). S. 67-80.