Schlagwort

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Schlagwörter sind Begriffe, die einem Dokument bei der verbalen Sacherschließung zugeordnet werden. Im Unterschied zu Stichwörtern stammen diese Begriffe nicht zwingend aus dem Dokument selbst, sondern werden nach inhaltlichen Gesichtspunkten vergeben. Man unterscheidet zwischen nicht normierten und normierten Schlagwörtern.

Nicht normierte Schlagwörter

Werden Schlagwörter einem Dokument hinzugefügt, ohne dass diese aus einem bestimmten vorgegebenen Vokabular stammen, spricht man von nicht normierten Schlagwörtern. Die Beschlagworter sind hier frei, thematisch passende Wörter für den jeweiligen Dokumentinhalt zu vergeben. Der gleiche Inhalt kann daher in verschiedenen Dokumenten mit unterschiedlichen Begriffen wiedergegeben werden, ohne dass diese aufeinander bezogen werden, auch verschiedene Schreibweisen (angefangen bei Groß- und Kleinschreibung) sind möglich. Daher führt eine freie Beschlagwortung zwangsläufig zu einem Informationsverlust, da bei einer Suche mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alle zu einem Thema passenden Dokumente gefunden werden. Allerdings beschreiben auch frei vergebene Schlagwörter den Inhalt eines Dokuments in der Regel bereits wesentlich genauer als Stichwörter.

Eine heute vor allem im Web 2.0 weit verbreitete Variante der freien Beschlagwortung ist das Tagging. Die dabei vergebenen freien Schlagwörter heißen Tags.

Normierte Schlagwörter

Im Gegensatz zu den nicht normierten Schlagwörtern stammen normierte Schlagwörter aus einem kontrollierten Vokabular, z.B. einem Thesaurus oder aus Normdateien, und unterliegen somit einer terminologischen Kontrolle. Das Vergeben von Schlagwörtern nennt man im Bibliothekswesen Beschlagworten, im Dokumentationswesen Indexieren. Die bibliothekarische Beschlagwortung erfolgt anhand fest vorgegebener Regeln, den RSWK. Anstelle des Terminus Schlagwort wird im Dokumentationswesen der Begriff Deskriptor verwendet.

Schlagwörter sind in der Regel in allen grammatikalischen Formen denkbar, meist wird aber der Nominativ Singular verwendet.

Terminologische Kontrolle

Durch die terminologische Kontrolle wird sichergestellt, dass Dokumente zum gleichen Thema mit den selben Begriffen beschlagwortet werden. Dadurch werden bei einer thematischen Suche alle zu einem Gegenstand gehörenden Dokumente gefunden. Wichtiges Ziel der terminologischen Kontrolle ist außerdem die Beseitigung von Mehrdeutigkeiten. Dazu werden Synonyme getrennt und Homonyme zusammengeführt. Es entstehen Datensätze, die auf die entsprechenden abweichenden Benennungen zu einer festgelegten Vorzugsbenennung verweisen. Dadurch findet auch eine Suchanfrage mit einem Synonym alle thematisch passenden Treffer.

Prä- und Postkombinierte Schlagwörter

Beim Festlegen von Schlagwörtern, die in das kontrollierte Vokabular aufgenommen werden sollen, unterscheidet man zwei verschiedene Vorgehensweisen:

1. Präkombinierte Schlagwörter

Bei der Präkombination bzw. Präkoordination von Schlagwörtern werden mehrere Begriffe bereits bei der Festlegung von Schlagwörtern miteinander zu einem (präkombinierten bzw. präkoordinierten) Schlagwort verbunden.

Beispiel: Antoine de Saint-Exupéry und sein Werk Le Petit Prince sind zu dem präkombinierten Schlagwort Saint-Exupéry, Antoine de / Le petit prince verbunden.

2. Postkombinierte Schlagwörter

Im Unterschied zur Präkombination werden bei der Postkombination bzw. Postkoordination von Schlagwörtern jeweils einzelne Begriffe zu Schlagwörtern. Um dennoch komplexere inhaltliche Sachverhalte darzustellen, können diese einzelnen Schlagwörter später, d.h. bei der Beschlagwortung, zu Schlagwortfolgen verknüpft werden. Das Ergebnis sind postkombinierte bzw. postkoordinierte Schlagwörter. Bei dieser Vorgehensweise, die auch in der RSWK vorherrscht, werden wesentlich weniger Schlagwörter benötigt, da die einzelnen Schlagwörter (im Rahmen der vorgegebenen Regeln) beliebig verknüpft und flexibel eingesetzt werden können.

Beispiel: Psychologie und Einführung als Einzelbegriffe werden bei der Beschlagwortung eines einführenden Werks aus dem Bereich Psychologie kombiniert zur Schlagwortfolge Psychologie / Einführung

Schlagwortkategorien

Regelwerke, so beispielsweise die RSWK, teilen Schlagwörter in verschiedene inhaltliche Kategorien ein, für die jeweils die selben Regeln gelten.

Die Reihenfolge der Schlagwörter aus einzelnen Kategorien kann eine wichtige Rolle spielen, so bei der Bildung von Schlagwortfolgen (siehe unten). In konventionellen Schlagwortkatalogen (Listenkatalog, Zettelkatalog, Mikrofichekatalog, ...) entscheidet sie darüber hinaus mit über den Sucheinstieg, unter dem Schlagwörter gefunden werden können. Allerdings wird in diesem Fall in der Regel auch unter den nachgeordneten Schlagwörtern verzeichnet.


Beispiel:

Schlagwortkategorien der RSWK
Personenschlagwörter bezeichnen natürliche oder fiktive Personen z.B. Mann, Thomas
geographische Schlagwörter bezeichnen Geographika z.B. Berlin
Sachschlagwörter bezeichnen Gegenstände, Werktitel, sachliche Inhalte, ... z.B. Philosophie
Zeitschlagwörter bezeichnen Jahresangaben, Epochen, historische Ausdehnungen z.B. Geschichte 1871-1914
Formschlagwörter bezeichnen die äußere Form / literarische Gattung / Erscheinungsform eines Mediums z.B. Aufsatzsammlung

Verbindung von Schlagwörtern

In den meisten Fällen sind mehrere Schlagwörter notwendig, um den Inhalt eines Dokuments adäquat wiederzugeben. Hierbei bestehen zwei Möglichkeiten, wie mehrere Schlagwörter aufeinander bezogen werden können:

1. gleichordnende Indexierung

Bei der gleichordnenden Indexierung werden die die Schlagwörter ohne logische Verbindung nebeneinander gestellt. Sie wird auch als koordinative Indexierung bezeichnet. Zwar können die so beschlagworteten Dokumente bei einer Suche unter allen vergebenen Schlagwörtern gefunden werden, es können aber von den Schlagwörtern in ihrem Zusammenhang keine weiteren Rückschlüsse auf den Inhalt eines Dokuments gezogen werden. So bleibt beispielsweise die Gewichtung der Schlagwörter hinsichtlich ihrer Bedeutung in Bezug auf den Dokumentinhalt unklar.

2. Bildung von Schlagwortfolgen

Anders als bei der gleichordnenden Indexierung wird bei der Bildung von Schlagwortfolgen großer Wert auf die Beziehung zwischen den einzelnen vergebenen Schlagwörtern gelegt. Dadurch wird es möglich, über die Schlagwortfolge bei einem gefundenen Treffer noch mehr Informationen über den Inhalt eines Dokuments und den logischen Zusammenhang zu erhalten, der Inhalt wird so genau wie möglich angegeben. Das Bedeutungsgeflecht zwischen den einzelnen Schlagworten wird über die Reihenfolge der einzelnen Bestandteile in der Folge ausgedrückt.

Schlagwortfolgen in den RSWK

Die Reihenfolge der Schlagwörter in der Schlagwortfolge wird durch die Schlagwortkategorien bestimmt. Diese werden immer in der oben angegebenen Reihenfolge sortiert: Personenschlagwörter vor geographischen Schlagwörtern vor Sachschlagwörtern vor Zeitschlagwörtern vor Formschlagwörtern.

Für diese Reihenfolge hat sich ein Merkspruch eingebürgert: Paul geht selten zum Fischen. (Die Anfangsbuchstaben geben die Reihenfolge der Schlagwörter an.)